“Black people are never really portrayed realistically or I mean not even portrayed in modern art"

“Jean-Michel I”

Öl auf Leinwand

60cm x 60cm

Es ist der 19. Oktober 1985 in New York. Jean-Michel Basquiat betritt ein kleines Fernsehstudio, irgendwo im Gewirr der Lower East Side. Kameras leuchten, das Licht summt, der 24-Jährige nimmt Platz. Basquiat nimmt sich Zeit für seine Antworten, oft länger als erwartet, und kommuniziert mehr über Mimik und Gestik als über Worte. Doch wenn er spricht, hat es Gewicht:

“Black people are never really portrayed realistically or I mean not even portrayed in modern art.”
(Deutsch: „Schwarze Menschen werden nie wirklich realistisch dargestellt – in der modernen Kunst werden sie überhaupt nicht dargestellt.“)

Als ich diesen Satz hörte, zusammen mit seinem Gesichtsausdruck, war ich von der Stärke dieses Moments beeindruckt.

Nach meinen Warhol-Porträts wollte ich erforschen, wie ich diese Nachdenklichkeit und Reflexion in eigenen Linien und Flächen übersetzen kann. Während meine Warhol-Arbeiten stärker abstrahiert sind, habe ich Basquiat in meinem Diptychon bewusst weniger transformiert. Der Fokus liegt auf seiner Nachdenklichkeit und Präsenz. Das quadratische Format schafft für mich Raum, in dem diese Intensität ohne Ablenkung wirken kann, zusätzlich unterstrichen durch die zurückgenommene Farbpalette.

In der Kunstgeschichte gibt und gab es immer wieder Debatten darüber, wie junge Künstler mit den Giganten der Vergangenheit in Dialog treten. Manche sehen darin ein Zitat oder die Weiterentwicklung einer visuellen Sprache, andere eine Geste, die überheblich oder unsicher wirken kann. Mit meinen Porträts möchte ich nicht imitieren, sondern neue Aspekte über die Person hinter der Kunst erforschen.

Als weißer Künstler ist es eine Frage der Reflexion, wie man sich mit Figuren wie Basquiat auseinandersetzt – bewusst über die eigene Perspektive, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, sondern als künstlerisches Experiment.

“Jean-Michel II”

Öl auf Leinwand

60cm x 60cm

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Porträt-Serie “Andy Warhol”